Wirtschaft

Künftig hauptberuflich: Freie Talkshow-Bahn für Wagenknecht! | ABC-Z

Das war eine Punktlandung. Nur einen Tag nachdem Sahra Wagenknecht angekündigt hatte, künftig mehr inhaltlich arbeiten zu wollen und deshalb den ganzen Organisationskram ihrer Partei hinter sich zu lassen, den Vorsitz aufzugeben und sich stattdessen zum Beispiel in einer Grundwertekommission (ja, der Name fiel) zu engagieren – kurz nach dieser Ankündigung war Sahra Wagenknecht wo zu sehen? Richtig, in einer Talkshow, bei Maischberger.

Schon der Name ihrer Partei war ja ganz auf die Person Wagenknechts zugeschnitten. Er soll jetzt – unter Beibehaltung des eingeführten Kürzels BSW – einer anderen Bedeutung zugeführt werden (bislang gingen bekanntlich nur recht bemüht wirkende Änderungsanträge ein wie „Bündnis Soziale Gerechtigkeit und Wirtschaftliche Vernunft“, Witzbolde schlugen bündig „Bündnis Schwarz Weiß“ vor). Und analog dazu gibt es nun auch ein neues, ganz auf Wagenknecht zugeschnittenes Parteiamt, ebenjenes für Grund und Werte, das auf Lebenszeit im Medium der Talkshow auszuüben ist. Gesagt, getan.

Endlich im Reich der Freiheit

Es war, als sollte diesbezüglich unverzüglich ein performatives Signal gesendet werden: Die Trennung vom Amt der Parteiführung war gerade ausgesprochen, da zeigte Wagenknecht schon wieder bei Maischberger Präsenz. Sie wirkte befreit, als habe sich das Reich der Notwendigkeit nicht länger vor das Reich der Freiheit geschoben, um es mit Herbert Marcuse zu sagen. Wagenknechts Alltag: nicht länger angefüllt mit „Videokonferenzen und Telefonaten, die allein mit dem Parteivorsitz zu tun haben, nämlich mit innerparteilichem Management“ (Selbstauskunft Wagenknecht).

Logisch, dass es jemanden bei einem solch dauerverkabelten Tagespensum drängt, über den Tag hinaus zu wirken. Auch die Talkshow erfordert Verkabelung, aber sie ist doch ein ganz anderes Metier, ein Sehnsuchtsort. Wo gehen wir denn hin? So fragt es aus der Partei. Immer nach Hause, gibt Wagenknecht mit Novalis zurück, die Verabredung für die nächste Talkshow treffend, wo sich die Parteiseele wie nirgendwo sonst inhaltlich ausleben lässt. Wagenknecht ist es egal, wer unter ihr Chef ist, wenn nur sie selbst künftig als Beauftragte fürs Übergreifende, Längerfristige wirken kann

„Ich ziehe mich nicht zurück, ich schmeiße nicht hin“, stellte sie bei Maischberger klar, die spätkapitalistische Arbeitsteilung beschwörend. Sie wähnt sich in einer Win-win-Situation. Die biographisch einmal mehr Zurücktretende, sich aber nicht Zurückziehende weiß, dass ihre Planstelle in Talkshows die der anstößigen Figur ist. Indem sie diese bereitwillig besetzt, nun quasi hauptamtlich, und kaltblütig noch jede Abschätzigkeit über sich ergehen lässt, die man sich ihr gegenüber wie selbstverständlich meint herausnehmen zu können, indem sie kurz gesagt das Spiel der Einschaltquote nicht bloß mitspielt, sondern mit ihrer eloquenten Intelligenz antreibt, behält sie alle Fäden in der Hand.

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