Wohnen

Von der Überwindung, sich zu amüsieren | ABC-Z

Die fünfte Jahreszeit hat in unserer Kölner Wohnung mit einem Kaffee und einem Müsli begonnen. Und diesem nebligen Gefühl der Ignoranz: War heute was? Hier ist bloß Alltag.

Dabei gibt es gerade nur ein paar Straßen weiter wohl schon Kölsch und Halve Hahn. Und Kostüme, gute Laune, kölsche Lieder, das ganze Tamtam. An unserem stinknormal-gemütlichen Morgen sind das Wildeste noch die Joghurtflecken auf der Hose des Kleinkinds. Irgendwie komisch! Wir setzen der Kleinen den Helm auf und radeln durch ein Köln, das noch unberührt daliegt, nicht wie die Partyhauptstadt, als die es in all den Instagram-Beiträgen daherkommt.

Warum tut man sich den 11.11. eigentlich an?

Früher, ja früher, da haben wir auch gefeiert, um 11.11 Uhr mit Wildfremden angestoßen, am Ende noch mal kurz den Falschen jebützt. Doch dieses Gefühl der Parallelwelten, die in einem Kölner Kosmos nebeneinanderher existieren, das gab es schon früher, wenn man zum Beispiel morgens um halb sieben aufsteht, um sich für den Altweibertag zu schminken und herzurichten, neben sich die Tasse Kaffee und in sich die bange Frage: Kann ich die Tasse schon in wenigen Stunden gegen ein Kölschglas aus­tauschen? Gehe ich wirklich noch als fleißiges Bienchen durch? Und warum zur Hölle muss das alles so früh losgehen? Das alles gepaart mit großer Unlust: Warum tu ich mir das eigentlich an? Draußen ist es kalt, und drinnen ist es entspannt.

All diese schweren Gedanken sind passé, sobald man draußen das erste richtig gute Kostüm entdeckt, spätestens aber, wenn man die ersten zwei Kölsch intus hat. Ist das Leben nicht schön? Wie konnte ich je am besten aller Feste zweifeln? Und wie gut ist eigentlich dieser Song, in dem es um Liebe geht, die Liebe zu Köln und den Kölnern, halleluja, amen und alaaf! Den Wiesn-Gängern in München geht es ähnlich: Niemals kann ich um zehn Uhr morgens mit einer Maß im Festzelt sitzen! Nach ebenjener Maß aber ist die Wiesn der schönste Ort Bayerns, also der Welt.

Am Tag nach Weiberfastnacht geht dann alles wieder von vorn los: Es ist Freitag, man ist verkatert, man denkt sich: Wie konnte ich ­jemals…? Nie wieder werde ich…! Und sowieso: Karneval ist überbewertet! Doch der nächste Tag ist wieder ein Samstag. Und Karneval noch lange nicht vorbei.

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