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Netflix bleibt auf Wachstumskurs | FAZ | ABC-Z

Netflix setzt sein Wachstum fort. Der Streamingdienst meldete am Dienstag nach Börsenschluss für das abgelaufene Quartal ein Umsatzplus von 17 Prozent und lag damit im Rahmen der Erwartungen von Analysten. Er profitierte dabei von zugkräftigen Titeln wie dem im Juni veröffentlichten Zeichentrickfilm „KPop Demon Hunters“. Netflix hat auch sein noch junges Geschäft mit Werbung weiter ausgebaut. Allerdings belastete ein Sondereffekt den Gewinn. Aufgrund eines Disputs mit Steuerbehörden in Brasilien war die Gewinnmarge niedriger als erwartet. Netflix hält diese Angelegenheit offenbar für weitgehend abgehakt und rechnet nach eigener Aussage nicht damit, dass sie die künftigen Geschäftsergebnisse maßgeblich beeinflusst.

Die Börse zeigte sich unter dem Strich nicht begeistert, der Aktienkurs fiel im nachbörslichen Handel zeitweise um mehr als sechs Prozent. Die Aktie hat allerdings seit Jahresbeginn fast 40 Prozent an Wert gewonnen, und mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 525 Milliarden Dollar ist Netflix das mit Abstand wertvollste Unternehmen aus der Unterhaltungsindustrie.

Noch recht neues Werbegeschäft

Insgesamt steigerte Netflix seine Umsätze im dritten Quartal um 17 Prozent auf 11,5 Milliarden Dollar. Das Unternehmen machte dafür einen Zuwachs bei seinen Abonnentenzahlen, höhere Preise sowie gestiegene Werbeumsätze verantwortlich. Netflix hat Anfang des Jahres Preiserhöhungen für den amerikanischen Heimatmarkt und einige andere Länder angekündigt. Der Nettogewinn stieg gegenüber dem Vorjahr um acht Prozent auf 2,5 Milliarden Dollar. Der Disput in Brasilien hat Netflix zufolge Ausgaben von 619 Millionen Dollar verursacht. Für das Schlussquartal sagt Netflix ein abermaliges Umsatzplus von 17 Prozent auf knapp 12,0 Milliarden Dollar voraus, was leicht über den Erwartungen lag.

Das Werbegeschäft ist für Netflix noch recht neu. Seit einiger bietet das Unternehmen billigere Abonnements an, deren Nutzer Werbung zu sehen bekommen, und das hat ihm eine zusätzliche Umsatzquelle erschlossen. Netflix sagte jetzt, die Werbeumsätze im abgelaufenen Quartal hätten einen Rekordwert erreicht, und für das Gesamtjahr werde eine Verdopplung dieser Umsätze gegenüber 2024 erwartet. Ko-Vorstandsvorsitzender Greg Peters sagte in einer Videokonferenz, er sehe hier noch „viel Luft für Wachstum“. Genaue Umsatzzahlen nennt das Unternehmen allerdings nicht, und es gab zu, dass die Basiswerte für das Wachstum noch „relativ gering“ seien. Seit diesem Jahr veröffentlicht Netflix auch nicht mehr regelmäßig konkrete Abonnementzahlen. Ende 2024 hatte das Unternehmen knapp 302 Millionen zahlende Kunden.

In seinem Quartalsbericht hob Netflix wiederholt „KPop Demon Hunters“ hervor. Dies sei der beliebteste Film, den das Unternehmen in seiner Geschichte herausgebracht habe, er sei bislang 325 Millionen Mal angesehen worden. Netflix gab am Dienstag auch Lizenzabkommen rund um diesen Film mit den Spieleherstellern Mattel und Hasbro bekannt. Mattel will unter anderem Puppen der Figuren in dem Film vermarkten. Der Soundtrack zu dem Film steht seit Wochen weit oben in vielen Musikcharts in der Welt.

Spekulationen um Warner

Die Geschäftsergebnisse kamen am gleichen Tag, an dem Netflix in Übernahmespekulationen hineingezogen wurde. Der Unterhaltungskonzern Warner Bros. Discovery kündigte am Dienstag an, “strategische Alternativen“ zu prüfen, darunter einen Verkauf des gesamten Unternehmens oder eines Teils davon. Diese Entscheidung sei getroffen worden, nachdem mehrere Parteien “unaufgefordert“ Kaufinteresse bekundet hätten. Wie der Fernsehsender “CNBC“ meldete, zählt auch Netflix zu diesen Interessenten. Vor wenigen Wochen hatten Medien schon berichtet, dass Paramount Skydance an einem Übernahmeangebot für Warner arbeitet.

Ted Sarandos, neben Peters der zweite Ko-Vorstandschef, sprach in der Videokonferenz nicht konkret über ein etwaiges Interesse an Warner, sagte aber, Netflix sehe sich alle Übernahmegelegenheiten an. Das Unternehmen werde dabei aber “wählerisch“ sein, und es habe kein Interesse an traditionellen Fernsehkanälen. Demnach käme wohl allenfalls eine Teilübernahme von Warner in Betracht. Zu Warner gehören neben den gleichnamigen Filmstudios auch eine Reihe von Fernsehsendern, darunter CNN, HBO und die Eurosport-Kanäle.

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