Ayman Howera: Verlag Kotopia zwischen Ägypten und Australien | ABC-Z

Wenn in Ayman Howeras IT-Büro in Australien um 17 Uhr die Lichter ausgehen, fahren seine Mitarbeiter in Ägypten ihre Computer hoch: Genau acht Stunden beträgt die Zeitverschiebung zwischen den Ländern. Gut für Howera: „So kann ich zwei Acht-Stunden-Tage nacheinander arbeiten“, scherzt der Verleger, der seit 2018 in Australien lebt und in diesem Jahr als Teilnehmer des Einladungsprogramms „Frankfurt Global Network“ zur Buchmesse gekommen ist.
Seinen Verlag Kotopia hat er 2016 in Ägypten gegründet, gemeinsam mit seiner Frau und zwei Freunden. Der Name ist ein Kofferwort aus „kutub“, arabisch für „Bücher“, und „utopia“ – „Utopie“. Utopisch klingt auch die Gründungserzählung. Weder Howera noch seine Mitstreiter hatten seinerzeit irgendwelche Erfahrungen im Literaturbetrieb, wie der 45 Jahre alte Verleger erzählt, doch sie hatten eine Vision: Interessiert an Geschichte und selbst Autoren populärwissenschaftlicher Texte, träumten sie davon, ein eigenes Buch herauszugeben. Doch in den Verlagen, an die sie sich wandten, habe zu jener Zeit kein Interesse an historischen Sachbüchern bestanden, sagt Howera: „Also beschlossen wir, selbst einen Verlag zu gründen.“
Der Erfolg scheint ihnen recht zu geben. „Die Menschen mochten unsere Bücher – sie waren leicht zu verstehen, aber gleichzeitig informativ“, sagt Howera, der neben seiner Tätigkeit als Geschäftsführer des Verlags weiter in seinem Beruf als IT-Ingenieur arbeitet. Schon im Jahr nach der Gründung begannen er und seine Mitarbeiter das Portfolio des Verlages zu erweitern und in die Nachbarländer zu expandieren.
Sachbücher, Romane, Krimis: Kotopia hat rund 350 Titel Angebot
Mit 22 arabischsprachigen Ländern sahen sie viele Möglichkeiten für das junge Unternehmen. „Gerade in Tunesien, Algerien und Marokko war der Markt viel weniger umkämpft als beispielsweise in den Golfstaaten, wo es schon ein viel größeres Angebot an Literatur gibt“, sagt Howera: „So war es für uns leichter, dort Fuß zu fassen.“
Heute hat Kotopia nach eigenen Angaben rund 350 Titel im Angebot. Neben Sachbüchern sind im genreübergreifenden Programm unter anderem historische Romane, Krimis und Reiseliteratur, aber auch Kinderbücher zu finden. Der Verlag beschäftigt 16 Mitarbeiter in drei Ländern: 14 in Ägypten, einen in Marokko und Howera in Australien.
Ein ungewöhnlicher Spagat für einen Verlag, doch ein erfolgversprechender. „Der australische Markt ist kleiner und deutlich weniger umkämpft als etwa der amerikanische oder der englische“, sagt Howera. Die Zielgruppe von Kotopia in Australien seien bislang arabischsprachige Einwanderer, in Zukunft möchte Howera dort aber auch englischsprachige Übersetzungen seiner ägyptischen Titel sowie Bücher australischer Autoren verlegen.
Wer in Nordafrika Erfolg haben will, muss Risiken eingehen
Da der Markt in Australien viel weiter entwickelt und wettbewerbsintensiver sei als der Markt in Nordafrika, erfordere das einen gänzlich anderen Ansatz: „Es ist sehr leicht, in Australien an Daten zu kommen – wie groß ist der Markt, wie viele Verlage gibt es, wie viele Titel.“ All das mache eine präzise Evaluation und eine vorausschauende Planung nötig. In Nordafrika sei es umgekehrt. Da es keine Daten gebe, so Howera, gebe es auf dem Buchmarkt auch viele unerschlossene Gebiete: „Einfach, weil niemand den Markt so genau kennt.“ Wer hier erfolgreich sein wolle, müsse Risiken eingehen, könnte aber auch mehr und schnellere Erfolge erzielen.
Auch Kotopia setzt auf mutige Innovationen. Vor zwei Jahren änderte der Verlag sein Konzept von Grund auf. „Wir sagten, dass wir kein Verlagshaus mehr sind, sondern ein Unterhaltungsunternehmen“, erklärt der Verleger. Auch in der arabischen Welt sinke die Zahl der Leser in der jüngeren Generation. Gleichzeitig steige das Angebot an Plattformen, auf denen Leser monatsweise für den unbegrenzten Zugang zu Büchern bezahlen.
Menschen wollten heute vor allem unterhalten werden. Deswegen setze der Verlag auch in der Präsentation auf eine andere Sprache: Bücher würden verstärkt als Unterhaltung, nicht als Literatur beworben. „Ich versuche, auch Ideen aus dem Bereich der IT in die Verlagsarbeit zu integrieren“, sagt Howera. So setze der Verlag längst nicht mehr ausschließlich auf gedruckte Titel, sondern hat neben Audio-Books und E-Books Videos, Cartoons und Mini-Serien im Programm.





















