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DFB erwägt Bau eines Ministadions auf dem Campus in Frankfurt | ABC-Z

Es muss nicht immer das Waldstadion sein, wenn man in Frankfurt internationalen Fußball sehen und davor sogar Nationalhymnen hören will. Eher heimlich, still und leise misst sich beispielsweise in der übernächsten Woche die U17-Mädchenauswahl mit den Teams aus Belgien, Frankreich und Irland. Spielort ist der DFB-Campus in Sachsenhausen, den der Deutsche Fußballbund vor drei Jahren bezogen hat.

Franz-Josef Wallenfang wird sich dann kurz vorher beim DFB anmelden und dann einfach am DFB-Gebäudekomplex vorbei marschieren und ein Länderspiel auf einem der Spielfelder verfolgen. „Das ist immer eine nette Atmosphäre, man ist nah dran“, sagt der in der Nähe wohnende Frankfurter, der als einer der wenigen die Angebote nutzt.

Diese Offenheit des DFB, die der Verband im Zuge der Diskussion um die Ansiedlung der mondänen Zentrale auf dem Gelände der ehemaligen Galopprennbahn stets propagierte, hat sich bislang kaum herumgesprochen. Stattdessen steht der DFB im Ruf, sich in einer furchteinflößenden Trutzburg zu verschanzen. Deshalb müht sich der Verband nach Kräften, diesem Eindruck entgegenzutreten. Vor vier Wochen organisierte er beispielsweise das „Wochenende des Amateurfußballs“. Neben Informationsveranstaltungen für Jugendtrainer wurden einige Spiele aus regionalen Ligen auf den Plätzen ausgetragen wie eine Partie zwischen der Spielvereinigung Oberrad und dem FC Kosova Frankfurt.

Diese Aktionen sind Teil der Überlegungen des DFB, die Anlage effizienter zu nutzen. Dazu gehören nach Informationen der F.A.Z. auch Gedankenspiele, ein kleines Stadion zu bauen. Platz 1 des Campus, der hinter einem Tor sowie entlang einer Seitenauslinie an die beiden Hauptflügel des DFB-Gebäudekomplexes grenzt, könnte auf den beiden anderen Seite mit kleinen Tribünen aufgewertet werden, von denen aus Zuschauer die Spiele verfolgen können. Bislang setzt der DFB temporäre Stahlrohraufbauten ein, um bei Qualifikationsturnieren für internationale Wettbewerbe oder auch bei Trainingseinheiten des A-Nationalteams die Anforderungen beispielsweise für Medien zu erfüllen. Künftig könnte dann nahezu alle Heimspiele der jüngeren Nachwuchsteams am Campus stattfinden, während bislang oft andere Stadien angemietet werden müssen. Die Jugendteams könnten dann auch stets in den 33 Zimmern wohnen, die am Campus vorhanden sind.

Der DFB bestätigt, dass ein Mini­stadion Teil der Überlegungen sei, betont aber als Nachbar der angrenzenden Wohngebiete, dass es nicht um Zuschauermassen gehe, die Verkehrsprobleme bis hin zu einem Parkchaos nach sich ziehen würden. Bayern München hat auf seinem Campus beispielsweise ein Stadion mit Tribünen auf drei Seiten des Spielfeldes für 2500 Zuschauer errichtet. Beim DFB würde das Fassungsvermögen wegen des Wegfalls einer Längsseite ein gutes Drittel kleiner sein. Auch der Blick auf die Skyline würde sicher nicht verbaut.

Unabhängig von den Stadionplänen gibt es nach Auskunft des DFB deutlich konkretere Erwägungen. Man arbeite ständig daran, das Nutzungskonzept zu optimieren. Dabei gehe es auch um mehr Effizienz: Da die Kosten für den Bau gewaltig in die Höhe geschnellt waren, während die Nationalmannschaft zur gleichen Zeit in eine sportliche Krise ohne große internationale Erfolge geschlittert war, wurde der Campus zu einer unerwartet hohen Belastung für die DFB-Finanzen. Erst kürzlich hat der Verband einen Plan verabschiedet, mit dem das 180 Millionen Euro teure Projekt nun abgeschlossen werden kann.

Umso größer ist der Druck, an anderer Stelle Geld einzusparen und das Gebäude besser zu nutzen, in dem beispielsweise in diesen Tagen keines der vielen Juniorennationalteams gastiert, die im Einsatz sind. Für die Auswahlen der Profis mit mittlerweile riesigem Betreuerstab war der Campus ohnehin nie ausgelegt. So soll aber die Anmietung von Räumlichkeiten eingespart werden, in denen der sogenannte Kölner Keller untergebracht ist: Von dort aus verfolgen die Videoschiedsrichter Spiele der Fußball-Bundesligen und greifen gegebenenfalls ein. Künftig wird dieses Studio in Frankfurt angesiedelt sein – und wohl auch nicht mehr im Keller. Angesichts der durch Glasfassaden geprägten Gestaltung des DFB-Sitzes könnte es angesichts der Vorliebe des Fußballs für Alliterationen auf die „Frankfurter Fensterfront“ hinauslaufen – das würde auch nach deutlich mehr Transparenz klingen als bisher im so umstrittenen Videoschiedsrichterprojekt.

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