Türkei droht mit militärischen Maßnahmen – Eskalation im Mittelmeer? | ABC-Z

Der türkische Außenminister Hakan Fidan hat Nachbarstaaten davor gewarnt, „Allianzen“ gegen die Türkei zu schmieden. Sein Land werde solchen Entwicklungen notfalls mit militärischen Mitteln begegnen, erklärte Fidan. Gemeint sein dürften Griechenland, Zypern und Israel.
In einem Interview mit dem türkischen Staatsfernsehen TRT sagte Fidan am Samstag, im östlichen Mittelmeer gebe es „Versuche, Allianzen zu unserem Nachteil zu bilden“. Ziel sei es, die Türkei „zu umzingeln“. Fidan betonte: „Wir sehen und beobachten das.“
Die Regierung entwickle derzeit diplomatische Strategien, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Sollten diese Bemühungen scheitern, müsse man die Angelegenheit „an das Militär und die Sicherheitsorgane weitergeben – dann passieren mehr Dinge“, so Fidan wörtlich.
Türkei streitet mit Griechenland und Zypern über Hoheitsrechte und Wirtschaftszonen
Zwar nannte der Außenminister keine konkreten Länder, doch gilt es als wahrscheinlich, dass Griechenland, Zypern und Israel gemeint sind. Mit Athen und Nikosia streitet Ankara seit Jahrzehnten über Hoheitsrechte und Wirtschaftszonen im östlichen Mittelmeer. Geplante griechische Erdgaserkundungen südlich von Kreta sowie Projekte für Strom- und Datenkabel durch die Region verleihen dem alten Konflikt aktuell neue Brisanz. Präsident Recep Tayyip Erdogan ließ in den vergangenen Monaten wiederholt Kriegsschiffe in umstrittene Seegebiete entsenden, um die türkischen Ansprüche zu untermauern.
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan (Archivbild).
© dpa | Khalil Hamra
Auch die einst engen Beziehungen zwischen der Türkei und Israel haben sich unter Erdogan stark verschlechtert. Seit dem israelischen Militäreinsatz in Gaza ist der Tiefpunkt erreicht. Erdoğan bezeichnet Israel regelmäßig als „Terrorstaat“ und vergleicht Premierminister Benjamin Netanjahu mit Hitler. Gleichzeitig verherrlicht er die radikal-islamische Hamas, die im Westen als Terrororganisation gilt, als „Befreiungsbewegung“. Die Türkei dient der Hamas-Führung als wichtiger Rückzugsraum.
Vor dem Hintergrund der als aggressiv empfundenen türkischen Politik im Mittelmeer haben Israel, Griechenland und Zypern ihre militärische Zusammenarbeit deutlich intensiviert. Griechenland setzt beim Schutz seines Luftraums auf israelische Rüstungstechnologie und plant in Kalamata den Aufbau einer von Israel betriebenen Flugschule für Militärpiloten. Zypern hat in den vergangenen Monaten ein israelisches Luftabwehrsystem installiert, dessen Radarreichweite bis weit in die Südtürkei hineinreicht.
Griechenland und Zypern wollen türkische Beteiligung an EU-Rüstungsprogramm verhindern
Aus Furcht vor einer türkischen Bedrohung wollen Griechenland und Zypern eine Beteiligung der Türkei am EU-Rüstungsprogramm SAFE mit ihrem Veto verhindern. Der griechische Premierminister Kyriakos Mitsotakis betonte beim Treffen der Europäischen Politischen Gemeinschaft in Kopenhagen, solange die Türkei seinem Land mit Krieg drohe, könne sie nicht an SAFE teilnehmen.
Griechenlands Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis.
© dpa | Darko Vojinovic
Mitsotakis bezog sich dabei auf eine Erklärung des türkischen Parlaments von 1995, die eine Ausweitung der griechischen Hoheitsgewässer in der Ägäis von sechs auf zwölf Meilen als Casus Belli – also Kriegsgrund – bezeichnet. Nach dem UNO-Seerechtsübereinkommen (UNCLOS) steht Griechenland eine Zwölfmeilenzone zu. Athen will einer türkischen SAFE-Beteiligung nur zustimmen, wenn Ankara den Casus Belli zurücknimmt und seine Ansprüche auf griechische Ägäisinseln aufgibt.
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Die jüngsten Äußerungen Fidans könnten in Athen als erneute, unverhohlene Kriegsdrohung interpretiert werden – und die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen den beiden Nachbarn weiter verschärfen.














