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Grüne und Linke in Berlin kritisieren Olympia-Kosten | ABC-Z

Sechs Millionen Euro

Grüne und Linke in Berlin kritisieren Olympia-Kosten


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Audio: rbb24 Inforadio | 30.09.2025 | Tim Korge | Bild: Picture Alliance/Gregor Fischer

Teile der Opposition im Abgeordnetenhaus kritisieren die aus ihrer Sicht hohen Kosten der Berliner Olympia-Bewerbung. Der Regierende Bürgermeister hingegen sieht in den Olympischen und Paralympischen Spielen eine große Chance.

  • Berliner Senat beschließt Einrichtung einer Steuerungsgruppe für Olympia-Bewerbung
  • Budget von sechs Millionen Euro bis 2027 eingeplant
  • Grüne und Linke kritisieren Bewerbung als Geldverschwendung
  • LSB und IHK unterstützen Bewerbung
  • Entscheidung über deutschen Bewerber fällt erst im September 2026

Aus der Opposition im Berliner Abgeordnetenhaus wird Kritik an den Ausgaben für die Berliner Olympia-Bewerbung laut. Am Montag hatte der rbb exklusiv berichtet, dass der Senat dafür ein Budget über sechs Millionen Euro einplant. Am Dienstag bestätigte der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU), dass diese Summe in den Haushaltsjahren 2025 bis 2027 eingeplant ist.

“Olympia wird teuer”, sagte die sportpolitische Sprecherin der Grünen, Klara Schedlich, dem rbb. Sie warf Sportsenatorin Iris Spranger (SPD) vor, die Ausgaben für die Bewerbung nicht zusätzlich im Haushalt eingestellt zu haben. “Das bedeutet: Für andere Dinge, wie Sanierungen, gibt es dann am Ende kein Geld mehr.” Schedlich forderte den schwarz-roten Senat auf, die über 50 gesperrten Sporthallen in Berlin zu priorisieren.

Grüne sehen nur geringe Chancen für Berlin

Die Chancen für Berlin beim nationalen Wettstreit um die Nominierung als deutscher Olympia-Bewerber stünden ohnehin nicht gut, so die Grünen-Politikerin. “Andere Bundesländer sind mit ihrer Bewerbung viel weiter und transparenter.” Berlin solle sich lieber durch Sanierungen für die Zukunft ins Spiel bringen, “statt jetzt ohne echte Hoffnung Geld aus dem Fenster zu werfen.”

Der Sportexperte der Linken, Kristian Ronneburg, warf Spranger vor, das Parlament missachtet zu haben. “Fragen der Abgeordneten zum Sporthaushalt und zu Olympia werden nicht fristgemäß beantwortet, weil sie offenbar die Olympia-Show von Wegner und Spranger stören würden.”

Linke beklagen fehlende Transparenz

Tatsächlich war ein umfangreicher Fragenkatalog des Sportausschusses zur Bewerbung nicht fristgerecht von der Sportverwaltung beantwortet worden, weswegen sich der Ausschussvorsitzende bereits persönlich bei Spranger beschwert hatte.

“Wieder einmal wird unter Beweis gestellt, dass es dem Senat bei der Olympia-Bewerbung an Ernsthaftigkeit und Transparenz mangelt”, so Ronneburg. Die sechs Millionen Euro wären bei Berlins sanierungsbedürftigen Sportstätten besser angelegt.

LSB und IHK begrüßen Entscheidung für Bewerbung

Aus den Reihen der Koalition und von der oppositionellen AfD wird die Olympia-Bewerbung hingegen unterstützt. Auch der Landessportbund (LSB) und die Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin begrüßten den Beschluss für die Olympia-Bewerbung.

“Olympische und Paralympische Spiele tragen dazu bei, die Gastgeberstädte im Sinne einer sportbetonten, einer aktiven, bewegungsfreudigen Lebenswelt zu entwickeln”, sagte LSB-Präsident Thomas Härtel laut einer Mitteilung. IHK-Präsident Sebastian Stietzel sprach im Zusammenhang von Olympischen Spielen von einem “Innovationsbooster”.

Wegner und Spranger betonen Vorteile der Bewerbung

“Olympische Spiele und Paralympische Spiele sind eine große Chance – für Berlin, aber auch für Deutschland”, befand der Regierender Bürgermeister Wegner. Er sei der felsenfesten Überzeugung, dass Olympische Spiele in Deutschland ein richtiges und gutes Ziel seien, was auch alle – die Bundesregierung und die Bundesländer – unterstützen würden, sagte der CDU-Politiker am Dienstag in einer Pressekonferenz: “Aber ich bin auch der felsenfesten Überzeugung, dass eine Bewerbung Deutschlands ohne Berlin definitiv schwieriger wird.” Für die Stadt sei es zudem ein Investitionsprogramm.

Innen- und Sportsenatorin Spranger sieht in der Bewerbung für die Olympischen und Paralympischen Spiele nicht nur einen Gewinn für den Spitzen-, sondern auch für den Breitensport, wie sie sagte. So solle beispielsweise das Olympia-Schwimmstadion “behutsam” neu gestaltet und überdacht und so als Ganzjahres-Sportstätte genutzt werden. Das Bad im Olympiapark wird derzeit bereits als Sommerbad genutzt, die Tribünen sind allerdings marode und dürfen nicht betreten werden.

Auch Hamburg, München und die Region Rhein-Ruhr bewerben sich

In Berlin hat der Senat am Dienstag auch die Einrichtung einer Steuerungsgruppe beschlossen, die der Olympia-Beauftragte der Hauptstadt, Kaweh Niroomand, leitet. Auch die Bundesländer Sachsen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein sind Teil der Berliner Bewerbung. “Mit unserer nationalen Bewerbung und starken Partnern aus vier verschiedenen Regionen gehen wir breit aufgestellt in die zweite Phase unserer nationalen Bewerbung”, so Sportsenatorin Spranger.

Berlin befindet sich national im Wettstreit mit Hamburg, München und der Region Rhein-Ruhr. Alle vier haben die erste Stufe des Bewerbungsplans erfolgreich gemeistert. Sie haben nun bis Ende Mai kommenden Jahres Zeit, ihre Konzepte mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) inhaltlich und operativ weiter zu schärfen.

Finale Entscheidung über Bewerbung fällt in einem Jahr

Wer für Deutschland am Ende ins Rennen geschickt wird, entscheidet der Deutsche Olympische Sportbund im September 2026. Bis Juni 2026 können die Bewerber-Regionen durch ein Referendum ein Meinungsbild der Bevölkerung einholen, ehe im Herbst die Entscheidung über einen deutschen Bewerber fallen soll.

Für wann sich Deutschland international bewerben wird, ist noch gar nicht entschieden. Im Raum stehen die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044.

Sendung: rbb24 Inforadio, 30.09.2025, 9:40 Uhr


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