Porsches teurer Strategieschwenk als Sinnbild für die Autokrise | ABC-Z

Vor gerade einmal eineinhalb Jahren hat Porsche-Chef Oliver Blume mit einer Prognose für Aufmerksamkeit gesorgt, die sich als Irrweg herausgestellt hat. Nur wenige Wochen nachdem Mercedes den ehrgeizigen „Electric-only“-Ansatz korrigiert hatte, erklärte der Manager selbstbewusst, an dem Ziel festhalten zu wollen, dass der Sportwagenhersteller bis 2030 mehr als 80 Prozent seiner Autos nur noch mit elektrischen Motoren verkauft. „Wir stehen zu unserer Strategie, der Hochlauf der Elektromobilität ist wichtig“, sagte Blume im März 2024.
Seit dem vergangenen Freitag ist klar, wie falsch Porsche mit dieser Strategie lag und vor allem wie teuer die Fehleinschätzungen den Hersteller zu stehen kommen. Porsche nimmt einen neuen Verbrenner-SUV ins Programm, verschiebt Elektromodelle zeitlich nach hinten und will aktuelle Modelle mit Verbrennungsmotor bis weit in die 2030er-Jahre anbieten. Die Kosten für die grundlegende Korrektur summieren sich in den nächsten Jahren auf mehr als fünf Milliarden Euro. Viel Geld angesichts der Tatsache, dass der Gewinn zuletzt um mehr als zwei Drittel geschrumpft ist. Zuletzt flog Porsche wegen der deutlich schlechter laufenden Geschäfte zudem aus dem deutschen Leitindex Dax.
Wie unter einem Brennglas zeigen sich im Absturz des Stuttgarter Traditionsunternehmens dabei die aktuellen Probleme der deutschen Autoindustrie. Da sind die schrumpfenden Verkaufszahlen im chinesischen Markt, da ist die Hilflosigkeit im Hinblick auf die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump – und da ist vor allem der viel zu forsch eingeschlagene Weg in Richtung Elektromobilität.
Porsche hat sich auf die Politik verlassen
Angesichts der aktuellen Zahlen hat Porsche keine andere Wahl, als wieder verstärkt auf konventionelle Antriebe zu setzen, denn mit einem reinen Elektroangebot droht der Hersteller unterzugehen. Die Kunden kaufen nicht in dem Maße die Modelle mit den neuen Antrieben, wie das nötig wäre, um die Autos profitabel zu produzieren. Porsche wollte aber so schnell und so umfassend wie möglich elektrisch werden, weil ein Hersteller mit so niedrigen Stückzahlen durch eine breite Modellpalette und verschiedene Antriebsarten seine ehrgeizigen Renditeziele gefährdet hätte. Hätte Blume den Übergang von Anfang an langsamer gestaltet und den Realitäten angepasst, stünde Porsche heute anders da.
Die Fehleinschätzung beruht allerdings auch darauf, dass sich Porsche wie die Autoindustrie insgesamt auf die Zusagen der Politik verlassen und an der Regulierung orientiert hat, die von der Europäischen Kommission vorgegeben wurde. Und die Vorgabe war – und ist bislang immer noch – eindeutig: keine Verbrennungsmotoren von 2035 an. Nun sind wettbewerbsfähige elektrische Fahrzeuge von der Industrie entwickelt worden, die versprochene flächendeckende Ladeinfrastruktur fehlt hingegen immer noch. Mit den Folgen haben Hersteller wie Zulieferer zu kämpfen: Die Fabriken für die Elektromobilität sind unrentabel.
Der Sportwagenhersteller ist in China abgehängt
Porsche hat zudem damit zu kämpfen, dass das Unternehmen im größten Automarkt der Welt, in China, abgehängt ist. Das liegt am dortigen intensiven Verdrängungswettbewerb, in dem Hunderte zum Teil hochsubventionierte Hersteller um Marktanteile kämpfen. Es liegt aber auch daran, dass Porsche – wie andere Hersteller auch – in der Volksrepublik keine Modelle angeboten hat, die aus Sicht von chinesischen Kunden preislich und technisch attraktiv waren.
Schließlich hat die Zollpolitik von Donald Trump zuletzt auch noch die Hoffnung zerstört, dass ein wachsender Absatz in den USA den Einbruch in China ausgleichen könnte. Das Gegenteil ist der Fall: Durch die Zölle erodieren die Margen des Sportwagenherstellers. Und ein eigenes Werk in den USA, mit dem Porsche die Abgaben abwehren könnte, wäre wegen der zu geringen Stückzahlen für die Stuttgarter niemals profitabel.
Porsche steht mit dem Rücken zur Wand. Vor dem Hintergrund ist die teure Kehrtwende von Oliver Blume alternativlos – aber sie ist mit einem hohen Risiko verbunden. Denn die hohen Kosten für den Umbau von Produktion und Modellpalette könnten Porsche schlimmstenfalls nur wenige Jahre weiterhelfen: dann nämlich, wenn sich die Europäische Kommission gegen eine Aufweichung der Regulierung entscheidet und am strengen Verbrennerverbot festhält.
Beim Börsengang, der sich am Montag zum dritten Mal jährt, hat Porsche-Chef Blume mit seiner ehrgeizigen Elektro-Strategie Anleger umworben und Renditen von 20 Prozent in Aussicht gestellt. Davon ist nichts geblieben: Das Papier von Porsche ist aus dem Dax geflogen, der Kurs ist von seinem Höchstwert im Mai 2023 um mehr als 65 Prozent abgestürzt, und Porsche strebt in dem Jahr eine Umsatzrendite von maximal zwei Prozent an – eine Marke, wie sie kaum weiter entfernt sein könnte von der vielfach beschworenen „Road to 20“.
Auch im Hinblick auf den Standort Deutschland zeigen sich bei Porsche alle Probleme der deutschen Autoindustrie in Reinform: In einem ersten Sparpaket hat der Hersteller im Februar den Abbau von 15 Prozent der Arbeitsplätze angekündigt. In wenigen Tagen beginnen die Gespräche über ein zweites Sparpaket.





















