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Champions League: Netter Versuch, Uli | ABC-Z

Deutschland ist Fußballweltmeister. Im Sich-selbst-arm-Rechnen. Jetzt macht auch der FC Bayern mit in diesem Spiel. “Ich kann nur sagen, dass ich mich freue, weil wir wie Hoffenheim in die Champions-League-Saison gehen”, sagte Uli Hoeneß auf der Tagung der Deutschen Fußball Liga. Als ein Außenseiter wie Hoffenheim in der Bundesliga, wollte er sagen, vielleicht meinte er sogar Heidenheim und hat die zwei Dörfer verwechselt. Jedenfalls will er den Leuten den FC Bayern nach diesem Transfersommer als Kirchenmaus in Europas Fußball verkaufen. 

Dieser rhetorischen Selbstverzwergung ließ der Neomarxist Hoeneß eine Kritik an den Exzessen des Transfermarkts und am Reichtum der Premier League folgen. “Ich war fassungslos, was in den letzten acht Wochen im internationalen Fußball passiert ist.” Das war eine Anspielung auf Florian Wirtz und Nick Woltemade. Die wechselten, dem Werben aus München zum Trotz, für viel Geld in die Premier League. Die armen Bayern. 

Netter Versuch, Herr Hoeneß, aber die Hoffenheim-Aussage gehört in die Rubrik: Da lachen ja die Hühner! In Wahrheit liegt der FC Bayern auf Rang fünf der Deloitte-Tabelle der umsatzstärksten Fußballklubs der Welt. Er zahlt noch immer mit am meisten. Und zählt damit im Feld der 36 Teilnehmer zu den vier bis acht Vereinen, die eine realistische Chance haben, die Champions League, deren Saison am Dienstag begonnen hat, gewinnen zu können. 


Kicken kann er – Der Fußball-Podcast
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Ist der Hype um Nick Woltemade berechtigt?

So scheiterten die beiden Transfers gar nicht an der Armut der Bayern. Newcastle United bot einfach extrem viel Geld, weit über dem Marktwert Woltemades. Ob es sich überhaupt als sportlicher Nachteil erweisen wird, dass er jetzt woanders spielt, ist nicht gesagt. Und Wirtz entschied sich aus sportlichen Gründen für Liverpool. In München hätte er ungefähr genauso viel verdient, vielleicht noch mehr. Bayern war bereit, mehr als 100 Millionen Euro Ablöse für ihn zu zahlen. Hatte Hoeneß das in seiner Fassungslosigkeit vergessen? 

Falsche Kaderplanung, Trainerwechsel, unklare Zuständigkeiten – das waren die Probleme des FC Bayern

Es wäre nicht einmal das erste Mal gewesen, dass der Verein eine neunstellige Summe hingelegt hätte. Harry Kane kam für geschätzt 110 Millionen Euro aus England. Das ist gerade mal zwei Jahre her. Luis Díaz kostete in diesem Sommer gut 70 Millionen Euro. Bayern zahlt zudem luxuriöse Gehälter, Jamal Musiala soll mindestens 26 Millionen Euro im Jahr verdienen. Es dürften keine zehn Fußballer in Europa geben, die ein höheres Gehalt bekommen. Bayern leistete sich sogar mal für einen Trainer, Julian Nagelsmann, eine Ablöse von etwa 25 Millionen Euro. 

“Nein, da stimme ich Uli Hoeneß ausnahmsweise nicht zu”, entgegnete Karl-Heinz Rummenigge dieser Tage. “Außenseiter sind wir nie!” Der Aufsichtsrat weiß: Der FC Bayern gehört seit vielen Jahren zu den acht bis zehn reichsten Vereinen Europas. Vier bis sechs kommen aus England, zwei aus Spanien, je einer aus Deutschland und Frankreich. Nur sie können praktisch den Titel holen. Selbst Italien kann man sich trotz der beiden Finalteilnahmen von Inter Mailand zuletzt schwer als Gewinner vorstellen. Das liegt aber nicht primär am Geld, der Fußball dort ist zu langsam und passiv

Der FC Bayern ist (im Gegensatz zu Newcastle United) dauerhaft Teil dieses exklusiven Zirkels. Und dass er zuletzt meist im Viertelfinale ausschied, hat er sich selbst und nicht den ökonomischen Verhältnissen zuzuschreiben. Falsche Kaderplanung, häufige Trainerwechsel, unklare Zuständigkeiten in der Chefetage – all dies führte zu sportlichen Rückschritten. 

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