Thüringer Die Schwarzen-Bundestagsabgeordnete Christian Hirte hat Russen mit Kontakten zum Geheimdienst FSB beschäftigt | ABC-Z

Mit Geheimdienstlern vernetzt?
Ost-CDU-Abgeordneter beschäftigte Russen mit FSB-Kontakten
12.03.2025, 15:43 Uhr
Ein CDU-Bundestagsabgeordneter stellt einen Russen ein, der sein Land nach Beginn des Ukraine-Kriegs verlassen hat. Sein Job ist es, Kontakte zur russischen Opposition herzustellen. Das tut er auch. Doch dann stellt sich heraus: Der Mann hat auch Kontakte zu Russen, die „problematisch“ sind.
Der Thüringer CDU-Bundestagsabgeordnete Christian Hirte hat einen Russen mit Kontakten zum russischen Geheimdienst FSB beschäftigt. Darüber berichtete die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ), Hirte bestätigte die Angaben. Die Person habe in einem Minijob-Verhältnis in seinem Büro gearbeitet und sollte Kontakte zur russischen Opposition herstellen, sagte Hirte. „Das hat er auch getan.“ Der Bundesnachrichtendienst (BND) wollte sich auf Anfrage nicht äußern.
Hirte kannte den Mann nach eigenen Angaben von der Konrad-Adenauer-Stiftung. Als er ihn im Jahr 2023 einstellte, habe er Unterlagen einer deutschen Sicherheitsbehörde übergeben, mit der Bitte, diese zu prüfen. Nach etwa einem Jahr habe er dann den Hinweis bekommen, dass der Mitarbeiter möglicherweise Kontakte zum FSB habe, so schildert es Hirte.
Ihm sei gesagt worden, dass das nicht zwingend problematisch sei. „Er war ja auch in Moskau gut vernetzt“, sagte Hirte. Später habe er den Hinweis erhalten, dass sich die Verdachtsmomente erhärteten, er sei aber gebeten worden, das nicht an die große Glocke zu hängen. Nach einer Weile habe er noch einmal nachgehakt und sei gebeten worden, das Beschäftigtenverhältnis „geräuscharm“ zu beenden. „Das habe ich getan.“
„Geräuschlose“ Trennung
Hirte sagte, es sei „gelinde gesagt unangenehm“ gewesen, den Eindruck zu bekommen, möglicherweise im Visier des FSB zu sein. „Ich habe versucht, professionell damit umzugehen.“ Er habe von Anfang an deutsche Sicherheitsbehörden mit eingebunden, weil er wusste, dass die Person sehr gut in Moskau vernetzt gewesen sei. Der Mann sei nicht in die Büroorganisation eingebunden gewesen. „Er hatte keinen Schlüssel zum Büro, keinen digitalen Zugang und keinen Zugang zu bürointernen Daten oder solchen des Bundestages“, sagte Hirte der FAZ.
Hirte sagte, er habe im alltäglichen Umgang nicht den Eindruck gehabt, dass da etwas nicht stimmen könnte, sondern vielmehr, dass der Beschäftigte daran mitwirkte, die russische Opposition und Exilrussen zu vernetzen. „Er ist auch einer derjenigen gewesen, der unmittelbar nach dem Kriegsbeginn sofort Russland verlassen hat, weil er sich da unter Druck gesetzt gefühlt hat“, sagte Hirte. Er habe Kontakte in ein Umfeld mit Personen, die „problematisch“ seien. „Ob er selber problematisch ist, darüber habe ich bis heute keine Kenntnisse.“
Hirte sitzt seit 2008 im Bundestag. Ab 2020 war er für zwei Jahre Vorsitzender des Thüringer Landesverbands. Zuvor war er zwei Jahre Staatssekretär im Wirtschaftsministerium und zugleich Ost-Beauftragter in der Regierung von Angela Merkel. Das Ressort wurde seinerzeit von Peter Altmaier geleitet. Vom Amt als Ost-Beauftragter trat er auf Druck von Merkel zurück, nachdem er dem Thüringer FDP-Chef Thomas Kemmerich zur Wahl zum Ministerpräsidenten des Freistaats gratuliert hatte. Kemmerich war mit Stimmen von CDU, FDP und AfD ins Amt gehoben worden.