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550 Menschen demonstrieren in Dachau für demokratische Werte – Dachau | ABC-Z

Rund 550 Menschen haben am Sonntagnachmittag auf dem Ernst-Reuter-Platz in Dachau für demokratische Werte demonstriert. Sie folgten damit dem Aufruf des Runden Tischs gegen Rassismus, des Demokratiebündnisses Dachauer Land und vielen anderen Organisationen, Vereinen oder Parteien. Im Vergleich zu den beiden Vorjahren, als je 4000 und 5000 Menschen für Demokratie auf die Straße gingen, sind es dieses Mal eher wenig Teilnehmer.

Peter Heller vom Runden Tisch gegen Rassismus vermutet, dass diesmal der direkte Anlass für eine Massenmobilisierung gefehlt hat. Voriges Jahr habe es die verschärften Migrationsgesetze gegeben, die mit den Stimmen der AfD beschlossen worden waren, vor zwei Jahren das Treffen von Rechtsextremen in Potsdam und ihren Remigrationsplänen.  „Das Wetter kann es nicht sein“, sagt Heller, „eher der Fasching“.

Bei Sonnenschein und milden Temperaturen bewegt sich die Demonstration durch Dachau-Ost. (Foto: Niels P. Jørgensen)
Auch die Omas gegen Rechts aus München sind gekommen und formen symbolisch eine Brandmauer.
Auch die Omas gegen Rechts aus München sind gekommen und formen symbolisch eine Brandmauer. (Foto: Niels P. Jørgensen)
Viele Demonstrierende bringen selbstgemalte Plakate mit.
Viele Demonstrierende bringen selbstgemalte Plakate mit. (Foto: Niels P. Jørgensen)

Diejenigen, die da sind, lassen allerdings keinen Zweifel daran, dass es genug Anlass gibt, um Flagge zu zeigen. Fabian Handfest vom Runden Tisch führt aus, 2017 habe es weltweit noch 97 Demokratien gegeben, 2026 sind es nur noch 88. „Das Licht der Demokratie wird weltweit kleiner“, mahnt er.

Umso ermutigender sei es, dass über 50 Organisationen, Parteien und Gruppen aus Dachau zur Demo aufgerufen haben, Handfest zählt sie alle einzeln auf. Die Liste reicht von Architekturbüros über Fahrradclub, Flüchtlingshelferkreise, Bauernhofmuseum und endet bei Caritas, einzelnen Schulen, dem Dachauer Jugendrat und dem Kreisjugendring noch lange nicht.

Dass nur rund 500 Leute zur Demo gekommen sind, erklärt sich Peter Heller vom Runden Tisch gegen Rassismus damit, dass das akute Aufregerthema fehlt.
Dass nur rund 500 Leute zur Demo gekommen sind, erklärt sich Peter Heller vom Runden Tisch gegen Rassismus damit, dass das akute Aufregerthema fehlt. (Foto: Niels P. Jørgensen)
Dachau habe die KZ-Gedenkstätte als Mahnung vor der Haustüre, sagt Philipp Caspari vom Dachauer Jugendrat.
Dachau habe die KZ-Gedenkstätte als Mahnung vor der Haustüre, sagt Philipp Caspari vom Dachauer Jugendrat. (Foto: Niels P. Jørgensen)

Mit dabei sind auch die Omas gegen Rechts aus München mit einer großen Delegation. Sie haben ihre weißen Schirme dabei und halten Plakate, deren Buchstaben aneinandergereiht das Wort „Brandmauer“ ergeben. Oma Constanze steht am Rednerpult und ruft in die Menge: „Frauen an den Herd zurück, alle Ausländer raus – wollen wir das?“ Laut und deutlich schallt es zurück: „Nein!“ Und dennoch, mahnt sie, sei es heute wieder denkbar, dass eine rechtsextreme Partei mithilfe demokratischer Strukturen an die Macht komme.

Philipp Caspari vom Dachauer Jugendrat sagt, viele junge Menschen fühlten sich von der Politik nicht gehört. Dennoch ruft er seinen Altersgenossen zu: „Glaubt nicht jeden Mist, den ihr auf Instagram oder Tiktok seht.“ An die Adresse des Kultusministeriums richtet er den Appell, für ordentliche politische Bildung zu sorgen. Eine Gruppe Mädchen und Frauen am Rande hält das passende Schild hoch: „Girls just want fun-damental rights“.

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