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1860 München gegen Duisburg: Nur noch ein sehr weit entfernter Verfolger – Sport | ABC-Z

Die Träume hatten in jüngster Zeit wieder Einzug ins Hier und Jetzt gefunden bei den Sechzigern. Am vergangenen Dienstag veranstaltete die Organisation „Unternehmer für Sechzig“ einen Kabarettabend zugunsten des Löwen-Nachwuchses, für Lacher sorgten unter anderem Michael Altinger und der eher als Fußballer bekannte Kevin Volland, Cheftrainer Markus Kaczinski dirigierte den Sechziger-Marsch. Kevin Volland erzählte, die häufigste Frage, die ihm von den Jungspielern gestellt werde, lautete: „Kevin, wie war denn das Leben in Monaco?“

Zusammen mit dem 14 Jahre jüngeren, derzeit jüngsten Stammspieler des TSV 1860 beantwortete er Fragen des Publikums, die beiden klammerten damit den Löwen-Kosmos ein: eine große Vergangenheit und eine vermeintlich große Zukunft stehen zurzeit gemeinsam auf dem Platz. Präsident Gernot Mang gab der Mannschaft mehr ernst als satirisch noch etwas mit auf den Weg: „Ihr habt fünf Spiele nacheinander gewonnen“, sagte er, „warum sollen wir da nicht auch die letzten neun Spiele gewinnen? Das sind Gegner, die sind machbar.“ Trainer Markus Kauczinski sagte drei Tage später dazu: „Der Präsident darf alles sagen.“

Beim Duell zweier Verfolger am Sonntagnachmittag lag ein Sieg tatsächlich lange im Bereich des Machbaren – doch in der Schlussphase zeigte Gastgeber MSV Duisburg, warum er in der laufenden Saison zu Hause ungeschlagen ist: Dank besserer Chancenauswertung der Duisburger verlor 1860 mit 1:2 (0:0) – nun sind die Löwen, acht Spieltage vor Schluss, erst einmal nur noch ein sehr weit entfernter Verfolger. „Wir haben unsere Gelegenheiten gehabt und ordentlichen Fußball gespielt“, fand Volland, dem am Magenta-Mikro nicht mehr nach Lachen zumute war, weil es „eigentlich mit unser bestes Spiel“ gewesen sei in dieser Saison.

16 Punkte aus den vergangenen sechs Partien hatten sich die Löwen vornehmlich mit einer defensiven Spielweise erarbeitet, die mitunter als hässlich oder langweilig angesehen wird. In Duisburg allerdings lag es nicht an den Löwen, dass die erste halbe Stunde langweilig geriet: Den Zebras fiel einfach lange Zeit nichts ein gegen die ballsicheren Sechziger, die zumindest ansatzweise gute Möglichkeiten hatten, etwa nach einer gut geschlagenen Ecke von Volland (2.). Einmal wurde Clemens Lippmann sehenswert freigespielt, in zentraler Position zögerte er aber zu lange (24.). Volland sorgte für den größten Aufreger vor der Pause: Mit einem No-Look-Linksschuss aus 18 Metern düpierte er zwar Duisburgs Torwart Maximilian Braune, traf aber nur den Innenpfosten (35.).

Volland sorgt in Duisburg für Gefahr, aber Thore Jacobsen trifft

Es stellte sich immer mehr ein Wer-den-ersten-Fehler-macht-verliert-Gefühl ein, aber das stimmte nicht: Den ersten groben Schnitzer beging Sechzigs Youngster Lasse Faßmann mit einem Pass in den Lauf des Gegners. Frei stehend vor dem Sechzig-Tor schoss Florian Krüger aber gegen das Knie von Keeper Thomas Dähne (49.). Ausgerechnet in der 60. Minute, in der die Löwenfans rituell immer ihre Schals in die Höhe recken, fiel aber doch das 1:0 für die Hausherren, weil die Löwen eine Ecke nicht verteidigt bekamen – Joshua Bitter staubte ab.

Sechzig zeigte sich trotz der Bedeutung des Spiels weiter cool, der verdiente Ausgleich ließ bloß neun Minuten auf sich warten, dann verwandelte Thore Jacobsen eiskalt einen Elfmeter, den Sigurd Haugen herausgeholt hatte (69.). Die Schlussphase glich die eher emotionslose Anfangsphase aus: Keeper Dähne klärte einen langen Ball mit einem Flugkopfball und wäre bei einem Schuss an den Außenpfosten (85.) machtlos gewesen. Beide Trainer sahen wegen Meckerns Gelb, in der 90. Minute erzielte Thilo Töpken, ebenfalls per Abstauber, den Siegtreffer, der eingewechselte David Philipp scheiterte mit einem Aufsetzer (90.+3), dann sah Jacbobsen Gelb-Rot (90.+4). „Wir haben ein gutes Spiel gemacht“, fand auch Kauczinski, „aber wir geben die Bälle zu leicht ab. Wir dürfen hier nicht verlieren, weil wir nicht die schlechtere Mannschaft waren.“ Tatsächlich war so mancher Sieg in der nun beendeten Unbesiegt-Serie unverdienter gewesen, als diesmal zumindest ein Remis.

2:1 gewonnen hatte indes die Nachwuchsmannschaft der Sechziger, am Samstag gegen den Letzten Türkgücü München. Damit übernahmen sie die Tabellenführung in der Bayernliga Süd. Die Aufstiegschance der U21 ist mehr als real, die meisten Konkurrenten reichen die Lizenzunterlagen für die Regionalliga gar nicht erst ein. Die beste Ausbildungshilfe für die Junglöwen wäre freilich ein Aufstieg der Profis – denn nur dann dürfte laut Reglement auch die zweite Mannschaft hochgehen, die Eigengewächse könnten dann Spielpraxis näher am Profifußball sammeln. Jetzt sieht es aber so aus, als ob Förderabende wie jener der „Unternehmer für Sechzig“ erst mal weiter vonnöten sind.

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