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1860 gegen Wehen Wiesbaden: Ein enttäuschtes Jaulen durchzieht das Stadion – Sport | ABC-Z

Es wird immer langweiliger – hätte man denken können. Der TSV 1860 München hat in den vergangenen Wochen alle spielerische Schönheit fahren lassen und sich auf effizientes Siegen spezialisiert, fünf Erfolge in Serie hatte das den Löwen eingebracht. Und nun? Ein Sprung bis auf Rang vier im Duell mit Wehen Wiesbaden? „Wir sind jetzt in diesem Bereich mit acht, neun Mannschaften, die um das begehrte Ziel kämpfen. Es ist schön, dabei zu sein“, hatte Trainer Markus Kauczinski vor dem Duell mit einer jener anderen acht, neun Mannschaften gesagt.

57 Minuten waren am späten Samstagnachmittag gespielt, als plötzlich der sechste Sieg in Serie ganz nahe war: Tim Danhof hatte endlich einmal Platz auf der linken Abwehrseite der Gäste, er zog nach innen, er peilte das hintere Eck an – und der Ball ging am Tor vorbei. Ein enttäuschtes Jaulen durchzog das Stadion. So wurde die Löweneuphorie ein wenig gedämpft, nach einer zumindest hitzigen zweiten Halbzeit blieben die Zahlentafeln der alten Anzeigetafel im Grünwalder Stadion unberührt, es war das erste 0:0 der Sechziger in der laufenden Drittligasaison.

Doch die meisten Akteure empfanden das nicht als Ende einer Serie: „Das ist ein absoluter Punktgewinn“, fand etwa Marvin Rittmüller, der das Remis zudem als gerecht empfand. In der Tabelle fehlen jetzt statt einem nur eben drei Punkte auf den Tabellendritten. Die nächste Partie der Sechziger findet indes beim MSV Duisburg statt, nach einem 1:5 am Samstag gegen Hansa Rostock aktuell wohl das formschwächste Team der besagten acht bis neun an der Spitze.

1860-Trainer Kauczinski setzt durchaus auch auf junge Leute im Aufstiegsrennen

Auffällig ist, dass sich Trainer Kauczinski auch in dieser Phase der Saison nicht gezwungenermaßen auf Routiniers setzt, sondern junge Spieler ins kalte Regenwasser wirft. Für den gelbgesperrten Kapitän Thore Jacobsen spielte diesmal der 23-jährige Damjan Dordan im defensiven Mittelfeld, der 19-jährige Lasse Faßmann spielte in der Abwehr zum zweiten Mal von Beginn an. Und auch wenn Torwart Thomas Dähne gegen Wehen Wiesbaden deutlich mehr zu tun bekam als beim 1:0-Erfolg gegen Viktoria Köln acht Tage zuvor: Die wenigen Gegentore bestätigen den Trainer in seinen Entscheidungen.

In der ersten Halbzeit dieses Verfolgerduells war es vor allem darum gegangen, nicht zu verlieren, mit der Chance von Danhof aber ging es beiden Mannschaften darum, zu gewinnen. „Ein bisschen Feuer hat man schon gemerkt“, fand auch der derzeitige Abwehrchef Max Reinthaler, „beide Mannschaften haben wirklich alles versucht, man hat gemerkt, dass niemand so richtig mit Unentschieden zufrieden ist.“ Und so mündete ein zunächst langweiliges Spiel in einen Schlagabtausch mit Pokalcharakter, in dem es auf und ab ging – rund 30 Minuten voller Spannung, für die es sich bereits gelohnt hat, dass Sechzig noch im Aufstiegsrennen dabei ist.

Die beste Chance der Gäste vergab Tarik Gözüsirin, als er zwar Sechzigs Keeper Dähne düpierte, der Ball aber an den nahen Innenpfosten klatschte (69.). Beide Mannschaften hatten auch gefährliche Standards, immer wieder entstand Getümmel in den Strafräumen. Wieder einmal zeigte sich, dass neben dem einstigen Champions-League-Spieler Kevin Volland auch noch Sigurd Haugen einen Unterschied machen kann. Der Angreifer, nach seinem Kieferbruch im vergangenen Herbst immer noch mit schwarzer Maske auf dem Feld, kann auch bei Spielen, das von den Abwehrreihen dominiert wird, immer wieder mit erfolgreichen Eins-gegen-Eins-Aktionen wichtige Momente schaffen. Er blieb diesmal aber im Abschluss glücklos.

Dass den Löwen aber oft nicht sehr viel mehr im Spiel nach vorne einfällt, als Haugen mit einem langen Ball steil zu schicken, sorgt auch für eine gewisse Durchschaubarkeit. „Neutralisiert, von Taktik geprägt und trotzdem intensiv“, das war Kauczinskis Fazit. Eigentlich ein Spiel für den ewig wuselnden Florian Niederlechner, einen Ur-Löwen mit Bundesligaerfahrung. Aber der saß diesmal nicht einmal mehr auf der Bank, er stand nicht im Kader. Kauczinski begründet das damit, dass er zurzeit nur mit einem Stürmer spielen lässt und „keinen dritten oder vierten“ haben muss. Niederlechner ist im Kampf um den Aufstieg also zurzeit nicht einmal mehr zweite Wahl.

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