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Volk “zahlt höchsten Preis”: Israels Angriffe im Libanon töten laut Behörden über 200 Menschen | ABC-Z

Volk “zahlt höchsten Preis”Israels Angriffe im Libanon töten laut Behörden über 200 Menschen

06.03.2026, 19:23 Uhr

Rauch steigt auf nach einem israelischen Luftangriff in den als Dahija bekannten Vororten Beiruts. Hunderttausende Menschen sind bereits auf der Flucht. (Foto: picture alliance/dpa/AP)

Israel greift nach Attacken der Hisbollah erneut im Libanon an. Hunderte Menschen werden verletzt, Hunderttausende fliehen. Die libanesische Regierung findet klare Worte für das Chaos. In Deutschland kündigt Wadephul Unterstützung an.

Im Zuge der jüngsten Eskalation zwischen Israel und der Hisbollah sind im Libanon nach Behördenangaben bereits 217 Menschen getötet worden. 798 Menschen wurden bisher verletzt, wie das Gesundheitsministerium in Beirut mitteilte. Nach Angaben des Norwegischen Flüchtlingsrats sind bereits 300.000 Menschen durch israelische Angriffe vertrieben worden.

Die Hisbollah hatte am Montag in Reaktion auf die Tötung des iranischen obersten Führers Ajatollah Ali Chamenei begonnen, Raketen auf Ziele in Israel zu feuern. Das israelische Militär reagiert seitdem mit erneut umfangreichen Luftangriffen in mehreren Teilen des Landes. Zehntausende Menschen wurden zur Flucht aufgerufen.

Die jüngsten Angriffe Israels ereigneten sich nahe den zum Unesco-Welterbe gehörenden römischen Ruinen der Stadt. Die staatliche Nachrichtenagentur NNA berichtete, “feindliche Kampfflugzeuge” hätten “einen Angriff auf das Runinenviertel” von Tyros “nahe des palästinensischen Flüchtlingslagers Bass” ausgeführt.

Der libanesische Regierungschef Nawaf Salam warf Israel vor, durch seine Evakuierungsaufrufe an die Bevölkerung eine “humanitäre Katastrophe” verursacht zu haben. Die Aufrufe haben massive Fluchtbewegungen ausgelöst. Menschen schlafen auf der Straße und fliehen aus den Städten.

Libanons Ministerpräsident Nauaf Salam rief die internationale Gemeinschaft unterdessen zu koordinierter diplomatischer Hilfe und zu humanitärer Unterstützung auf. “Die gegenwärtige Spirale der Gewalt hat sich als katastrophal für den Libanon erwiesen und für alle Libanesen, unabhängig von ihrer konfessionellen Zugehörigkeit”, sagte Salam. Ein bedeutender Teil der Bevölkerung zahle den höchsten Preis, doch der gesamte Libanon sei das Opfer.

Allein aus dem Libanon flohen in der vergangenen Woche rund 50.000 syrische Flüchtlinge zurück in ihre Heimat, wie die Internationale Organisation für Migration mitteilte. Es gebe “bedeutende Bewegungen” über die Grenzen hinweg”, sagte der Chef der Mission im Libanon, Mathieu Luciano.

Die Vororte der libanesischen Hauptstadt Beirut ähneln Augenzeugenaussagen zufolge nach den umfangreichen Fluchtaufrufen und regelmäßigen Luftangriffen Israels einer Geisterstadt. Das Gebiet sei wie ausgestorben, sagte ein Anwohner am Rande der Vorstadt. Israel wolle das Gebiet dem Erdboden gleichmachen, sagte er. “Und die Hisbollah will das auch so”, sagte er der dpa.

Ein dpa-Fotograf berichtete am Nachmittag, dass fast alle 15 Minuten in der Gegend ein Angriff zu hören sei. Über den Dächern steigt demnach immer wieder Rauch auf. Viele Solarpanels auf den Dächern seien mit dichten weißen Staub bedeckt. Sie sähen so aus, als würde es schneien.

Bundesaußenminister Johann Wadephul kündigte zusätzliche Unterstützung für den Libanon an. Es würden weitere hundert Millionen Euro für humanitäre Hilfe bereitgestellt, sagte er. “Wir sehen gerade in Libanon eine neue Dynamik und eine Dramatik mit vielen Binnengeflüchteten und wollen in der gesamten Region helfen, um vor Ort Hilfe zu leisten.” Deshalb würden die Anstrengungen noch einmal hochgefahren.

Die israelische Armee teilte mit, dass am Freitag acht Soldaten bei einem Beschuss von israelischem Gebiet nahe der libanesischen Grenze verletzt worden seien, fünf von ihnen schwer.

Quelle: ntv.de, toh/AFP/rts/dpa

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