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München: Lufthansa reduziert innerdeutsche Flüge – München | ABC-Z

Die Lufthansa dünnt ihr Angebot an innerdeutschen Verbindungen von und nach München von kommendem Jahr an aus. Deutschlands größte Fluggesellschaft streicht mit Beginn des neuen Sommerflugplans von Ende März an unter anderem mehrere wöchentliche Frequenzen nach Bremen, Köln, Düsseldorf, Hannover, Hamburg und Stuttgart. Als Grund für die Streichungen, die auch Deutschlands größten Flughafen in Frankfurt am Main betreffen, verweist die Airline auf die „hohen Infrastrukturkosten in Deutschland“ auch im internationalen Vergleich – und schließt auch die Einstellung weiterer innerdeutscher Verbindungen nicht aus.

Am Münchner Flughafen wird der Schritt der Lufthansa, das Angebot nationaler Verbindungen auszudünnen, gelassen zur Kenntnis genommen. Es sei für einen Flughafen „unserer Größe“ mit täglich etwa 1000 Starts und Landungen „übliches Tagesgeschäft“, dass von Fluggesellschaften immer wieder Strecken aufgenommen und auch gestrichen würden, teilt ein Flughafensprecher auf SZ-Nachfrage mit. Gemessen an den Passagierzahlen ist München nach Frankfurt am Main Deutschlands zweitgrößter Airport und das zweitwichtigste Drehkreuz für internationale und interkontinentale Verbindungen.

Aber auch am Münchner Flughafen werden die „im europäischen Vergleich höchsten Belastungen“ für Airlines kritisch gesehen, wie der Flughafensprecher sagt. Hohe staatliche Standortkosten und übermäßige Bürokratie belasteten die Fluggesellschaften stark. Dies habe zur Folge, dass Airlines mit ihrer Standortflexibilität auch Flugzeuge aus Deutschland abzögen. „Insofern ist dies keine Überraschung für uns“, sagt der Sprecher über die Entscheidung der Airline, ihr Angebot zu reduzieren.

Die sogenannten Flughafenentgelte an deutschen Airports, die von den Fluggesellschaften bezahlt werden müssen, setzen sich aus vielen Faktoren zusammen. Unter anderem aus den Landegebühren, Abstellgebühren, Passagierentgelten und Leistungen für Sicherheit, Lärm und Emissionen. Für Kurzstrecken hat die Lufthansa für die staatliche Kostenbelastung an deutschen Flughäfen von 2019 bis ins Jahr 2025 eine Kostensteigerung von mehr als 120 Prozent errechnet. So habe ein Kurzstreckenflug von Düsseldorf nach Lissabon mit einem Airbus A320 im Jahr 2019 Kosten von etwa 2000 Euro verursacht – sechs Jahre später aber bereits 4600 Euro. Diese „enormen staatlichen Standortkosten“, so das Fazit des Konzerns, würden Airlines zwingen, unrentable Strecken einzustellen und „Kapazitäten ins wirtschaftlich attraktivere Ausland zu verlagern“.

Die Lufthansa beklagt darüber hinaus eine einseitige Belastung aller europäischen Airlines im weltweiten Vergleich. Diese müssten mit einem der „weltweit am stärksten regulierten Rechtsräume“ zurechtkommen und sähen sich ständig neuen Umweltauflagen, dem Emissionshandel oder strengen Entschädigungsregelungen für Passagiere ausgesetzt. So seien die regulatorischen Kosten für europäische Airlines in den vergangenen Jahren jährlich um mehr als zehn Prozent gestiegen – das Passagieraufkommen aber habe nur um etwa vier Prozent jährlich zugelegt.

Als Sparmaßnahme will der Konzern die Ausdünnung des innerdeutschen Angebots dennoch nicht verstanden wissen. Ziel sei es nicht, so ein Konzernsprecher, durch die Streichung von Frequenzen Geld zu sparen. Vielmehr würden frei werdende Kapazitäten künftig für „gewinnbringendere Strecken“ unter anderem nach Skandinavien eingesetzt. Dennoch sei nicht ausgeschlossen, teilt der Konzern mit, dass es zur Streichung weiterer innerdeutscher Verbindungen etwa von München nach Münster oder Dresden kommen könne.

Während das nationale Fluggeschäft immer weiter zurückgeht, boomen Interkontinentalflüge. Am Münchner Flughafen entsteht für Langstreckenflüge deshalb ein neues Terminal. (Foto: Marco Einfeldt)

Am Münchner Flughafen rechnen die Verantwortlichen derweil nicht mit einem signifikanten Rückgang der Fluggastzahlen durch die Lufthansa-Entscheidung. Dies sei angesichts der hohen Auslastung mit etwa 130 000 Passagieren am Tag im Sommerflugplan und nahezu 42 Millionen Gästen im vergangenen Jahr nicht zu erwarten, sagt ein Sprecher. Zudem sei es ausschließlich eine Entscheidung der Airlines und der Verfügbarkeit sogenannter Slots, ob und wie oft München angeflogen werde. Diese Slots, also die Zeitfenster für Starts und Landungen an Flughäfen, werden darüber hinaus nicht vom jeweiligen Airport vergeben, sondern von der Flughafenkoordination Deutschland mit Sitz in Frankfurt am Main.

Während das nationale Fluggeschäft also immer weiter zurückgeht, stellt der interkontinentale Flugverkehr einen stetig wachsenden Markt dar – und davon soll auch der Münchner Flughafen profitieren. Derzeit entsteht am Terminal 1 für etwa 700 Millionen Euro ein neuer, 360 Meter langer Flugsteig als neues Tor Münchens zur Welt. Bereits im ersten Halbjahr kommenden Jahres soll der Flugsteig in Betrieb gehen; etwa sechs Millionen Passagiere sollen dann in Deutschlands modernstem Terminal im Jahr abgefertigt werden.

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